2022

Daniel Röhrs (li.) und sein Vater Friedrich jun. (re.)

Leuchtturm für Regionalität

Die Fleischerei gilt urkundlich belegbar als die älteste Norddeutschlands. Seit über 90 Jahren ist sie unter dem Namen Röhrs bekannt. Die Fleischerfamilie betreibt Geschäfte in einem regionaltypischen Fachwerkhaus im Ort selbst sowie im 8 km entfernten Buxtehude („Fleischerjungs“). Nicht nur im Landkreis Stade schätzen Kunden, Landwirte und Kollegen diese Familie aus dem Alten Land, ca. 40 km westlich von Hamburg und südöstlich von Cuxhaven.
 
Seit 2016 führen Vater Friedrich Röhrs jun. und sein Sohn Daniel den Betrieb gemeinsam. Daniel Röhrs absolvierte seine Ausbildung bis 2009. Es folgten Meistertitel, Betriebswirt des Handwerks sowie Praktika in verschiedenen Betrieben, z. B. in Bayern. 2011 kehrte er in den Betrieb seiner Vorfahren zurück. Immer wieder in der Geschichte der Familie war die Nachfrage nach den Röhrschen Spezialitäten (Katenschinken, Jorker luftgetrocknete Salami, Altländer Mettwurst, Wiener Würstchen etc.) so groß, dass sich die Familie dazu entschied, zur jeweiligen Zeit in die Zukunft zu investieren (1900, 1977, 2002). In den vergangenen sechs Jahren wurde es in der Produktion am Stammhaus immer enger. „Daher haben wir uns entschlossen, erneut zu vergrößern und den Betrieb noch zukunftsfähiger zu machen. Das Ziel lautete: Arbeitsprozesse wieder produktiver machen und Möglichkeiten der Erweiterung schaffen. Im alten Betrieb war das nicht mehr möglich. Und eine bessere Ergonomie für die Mitarbeiter“, erklärt Daniel Röhrs die Beweggründe.
 
Ab 2017 geplant von Lißner engineers & architects, entstand ein zweigeschossiges Gebäude inkl. Büro, Verwaltung und Sozialtrakt, mit Parkplätzen sowie Wegen zur Anlieferung der Tiere. Die Fläche für Schlachtung, Produktion und Zerlegung im Untergeschoss beträgt rund 1.600 m², das Obergeschoss kommt auf 2.000 m². „Allein der Schlachtbereich macht etwa 20 % der Gesamtfläche aus. So groß war zuvor unsere gesamte Produktion“, berichtet der Fleischermeister. Die komplette Stall- und Schlachttechnik mit Rohrbahnen und Fördersystemen lieferte Renner Schlachthaustechnik aus Abtsgmünd.
 
UNTER EINEM DACH
„Den ersten Kontakt zur Familie Röhrs hatten wir vor etwa dreieinhalb Jahren. Insgesamt war alles eine sehr gute Zusammenarbeit und alle Wünsche des Kunden wurden in die Planung eingearbeitet und realisiert“, sagt Thomas Renner von Renner Schlachthaustechnik. Der Lieferumfang beinhaltete alles von der Lebendannahme der Tiere bis zum Zerlegeband die komplette Linie, d. h. auch die Stalleinrichtung in tierschutzgerechter und hygienischer Ausstattung, die es erlaubt, Schweine und Rinder flexibel zu schlachten. „Der Raum kurz vor dem Warenausgang kann heruntergekühlt werden. Durch eine mehrspurige Rohrbahn können wir Tierhälften flexibel zur Auslieferung bereitstellen und zugleich annehmen“, erklärt Daniel Röhrs. Vom lebenden Tier bis zum Endprodukt sei alles nachvollziehbar. „Wir haben in die Zukunft investiert, d. h. wir können uns so neue Kundengruppen erschließen. 50 Schweine zusätzlich zu schlachten und zu verarbeiten ist nun mühelos möglich“, betont er. Geschlachtet wird montags und freitags. Zu Wochenbeginn zwischen 4 und 8 Uhr 40 bis 60 Schweine, am zweiten Tag ab 4:30 Uhr zwischen 6 und 15 Rinder. Nicht nur für den eigenen Bedarf – auch für Direktvermarkter und Kollegen.
 
Um sich mit der neuen Schlacht- und Zerlegetechnik vertraut zu machen und dies an seine Mitarbeiter weitergeben zu können, besuchte er einige Projekte von Renner Schlachthaustechnik und arbeitete dort mit. Nach der Betäubung gelangen die Tierhälften zu mehreren pneumatischen Hubarbeitsbühnen („Jumbo-Podest“), wo das Fell und die Innereien entfernt werden sowie weitere Arbeitsschritte erfolgen, z. B. auf zwei Enthäutungspodesten. Durch einen Wanddurchbruch gelangen die Abfälle in einen Nebenraum. Ein Datenmanagement-System sichert die Rückverfolgung und Etikettierung. Die Mitarbeiter seien begeistert, vor allem das körperschonende Arbeiten schätzen sie.
 
„Wir stehen für Qualität und die gewährleisten wir“, ergänzt er. Egal ob das die Tiere betrifft: bei den Schweinen die Landsau/Pietrain-EberKreuzung aus dem Freiluftstall, die von einem Erzeuger aus dem Landkreis stammt, bei den Rindern (Limousin, Charolais, Blaue Belgier) aus einem Umkreis von max. 25 km oder dem Schlacht-Know-how, das mit dem Neubau entstand. „In diesen Zeiten ist es sehr wichtig, unsere Berufe wieder interessanter zu machen. Mit der topaktuellen Technik in der Produktion und Schlachtung können wir unser Wissen auch an interessierte Kollegen und Auszubildende weitergeben“, untermauert er den eingeschlagenen Weg des Wandels.
 
mth
 
FH Fleischer-Handwerk 4/22
 
 
 

1 Eine Spezialität: der Katenschinken
2 Das Stammhaus mit Laden im Ort
3 Der zweigeschossige Neubau entstand am Ortsrand von Jork.
4 Wanddurchbruch für Felle und Schlachtabfälle
5 Daniel Röhrs (li.) und sein Vater Friedrich jun. (re.)
6 Eine von zwei pneumatischen Hubarbeitsbühnen, die das Arbeiten ergonomischer machen.
7 Logo prangt auf der Technik
 

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